Das große Zahnen Spezial (Teil 1) – Mythen und Fakten

Wenn Babys unruhig sind, hört man von einer erschöpften Mutter oft: „Er zahnt gerade.“ oder „Sie ist zur Zeit sehr unruhig, weil sie die ersten Zähne bekommt.“ Da man sich selbst nicht mehr daran erinnern kann, wie es sich damals angefühlt hat, ist es schwierig nachzuvollziehen, was unsere kleinen Lieblinge dabei durchmachen. Wir als Erwachsene wissen allerdings nur allzu gut, wie schmerzvoll Zahnprobleme sein können. Man kann sich also vorstellen, dass es recht unangenehm sein muss, wenn sich die ersten Beißer durch das Zahnfleisch bohren. Da kann ich es meiner kleinen Maus nicht verübeln, wenn sie dadurch etwas angespannt ist. Doch was hat es mit dem Zahnen auf sich? Tut es den Kleinen wirklich so weh, dass es sie nächtelang vom Schlafen abhält oder ist es manchmal auch allzu einfach jedes Unwohlsein der Babys auf die Zähne zu schieben?

Was passiert beim Zahnen?

Der erste Zahn ist immer ein großes Ereignis, vor allem für die Eltern. Für ihr Baby ist es ein ganzes Stück Arbeit, bis sich das kleine Zähnchen seinen Weg durchs Zahnfleisch nach draußen gebahnt hat. Es kann mitunter sehr unangenehm für das Baby sein, denn es weiß nicht was gerade mit ihm geschieht. Die Eltern können ihm auch noch nicht erklären, dass der Schmerz nicht von Dauer ist und das Baby nachher eine tolle Fähigkeit dazugewinnen wird: das Kauen. Also müssen wir unserem Baby vermitteln, dass wir da sind, solange es sich unwohl fühlt.

Kinder reagieren ganz unterschiedlich auf die neuen Helferlein in ihrem Mund. Manchen merkt man gar nichts an und beim nächsten Lächeln blitzt Mama und Papa eine kleine weiße Überraschung entgegen. Andere wiederum kämpfen mit roten Wangen, geschwollenem Zahnfleisch und unruhigem Schlaf1. Auch ein wunder Po kann ein Anzeichen fürs Zahnen sein. Am Anfang sind viele Eltern noch unsicher, aber ab dem dritten, vierten Zahn lassen sich die Zeichen schon besser deuten. Wenn die anbahnenden Zähne meiner Tochter richtig zu schaffen gemacht haben, hat sie sich manchmal fast die ganze Hand in den Mund gesteckt. Fast als wolle sie den bösen Quälgeist eigenhändig da rausholen. Anfangs wusste ich nicht was das sollte, bis ich das Symptom eindeutig den Zähnen zuordnen konnte.

Die Entwicklung der Zähne beginnt bereits im Bauch der Mutter. Verrückt, oder? Noch in der wohligen Geborgenheit des Mutterleibs bilden sich die Zahnknospen im Zahnfleisch des Babys. Dies geschieht bereits in der siebten Woche nach der Befruchtung. Wann die ersten Zähne dann durchbrechen ist ganz unterschiedlich. Sie bohren sich durch das Zahnfleisch, welches immer dünner und dünner wird, bis es schließlich reißt und der Zahn herausschaut. Meist ist diese Prozedur verbunden mit starkem Speichelfluss, Schwellungen des Zahnfleisches und dem Bedürfnis auf allem herum zu kauen. Ich weiß noch, dass ich mich immer gefragt habe, warum so viele Babys diese Halstücher tragen. Die können doch nicht immer Halsschmerzen haben! Dann hat das Sabbern auch bei meiner Tochter begonnen und prompt war ich die nächste, die ihrem Kind jeden Tag das Halstuch umgebunden hat. So verschont man übrigens auch die Bodys und kann den ständigen Kleiderwechsel in Grenzen halten. Zumindest bis zum nächsten Essen…

Meine Tochter hat nie einen Schnuller genommen, aber als ihre ersten Zähne kamen, hat sie wie wild auf ihm herum gebissen. Aber auch meine Hand musste dafür herhalten. Kleiner Tipp: Gebt eurem Kind ein Stück Brot mit Rinde und lasst sie daran nagen. Das lindert den Druck und gleichzeitig nimmt euer Kind etwas zu sich. Manche Babys wollen nämlich in diesen Zeiten kaum etwas essen. Bitte darauf achten, dass euer Kind dafür alt genug ist, beim Essen aufrecht sitzt, das Brot bereits selbst in der Hand halten kann und dieses erfahrungsgemäß gut verträgt! Bleibt außerdem unbedingt in der Nähe, falls sich das Kleine dabei verschluckt!

Achtung: Symptome wie Durchfall, Fieber, Husten oder Erbrechen werden oft mit dem Zahnen in Verbindung gebracht. Allerdings haben sie im Normalfall nichts damit zu tun und deuten eher darauf hin, dass das Baby tatsächlich krank ist. Dennoch kann das Immunsystem des Kindes durch die hervortretenden Zähne geschwächt und der kleine Körper daher eher anfällig für diese Infekte sein.

Wann kommen die ersten Zähne?


Wann der erste Zahn kommt ist von Baby zu Baby unterschiedlich und hat nichts mit seiner generellen Entwicklung zu tun. Auf dem Bild rechts ist zu sehen, in welcher Reihenfolge die Zähne bei den meisten Kindern durchbrechen, aber auch das kann bei manchen Babys variieren und heißt dann nicht, dass irgendetwas falsch läuft. Babys sind keine Maschinen, obwohl man es oft von ihnen erwartet, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Man denkt sich: „Aber der Junge aus dem Schwimmkurs ist genau gleich alt und hat schon vier Zähne? Wo bleiben denn deine Beißerchen?“

Im Normalfall lässt sich der erste Zahn rund um den sechsten Monat blicken. Das ist einer der vorderen Schneidezähne im Unterkiefer. Aber was ist schon normal? Bei meiner Tochter kamen beide gleichzeitig. Beim Sohn einer Freundin ließen die ersten Zähne ein Jahr auf sich warten.  Macht euch da bloß keinen Stress! Es dauerte auch eine Weile von dem Zeitpunkt an, wo man die kleine weiße Spitze durch das Fleisch durchblitzen sah, bis das ganze kleine Stummelchen sichtbar wurde und sie dieses tatsächlich dazu gebrauchen konnte, festeres Essen im Mund zu zerkleinern.

Mit einem Jahr hat ein Kind dann ungefähr sechs Zähne im Mund und mit zweieinhalb Jahren kommen in der Regel die letzten Backenzähne des Oberkiefers dazu und vervollständigen das Milchgebiss. Insgesamt hat das Kind dann zwanzig Zähne im Mund. Eine ganz schöne Arbeit! Übrigens, wusstet ihr, dass die ersten Zähne deshalb Milchzähne heißen, weil sie beginnen hervorzukommen, wenn sich das Baby hauptsächlich noch von Muttermilch ernährt?

Da es keine Regel gibt, wann der erste Zahn durchbricht, kann dies sowohl passieren, wenn sich das Baby bereits in einer schwierigen Phase befindet, es kann aber genauso gut sein, dass dieser in einer unkomplizierten Phase durchkommtn. Das Verhalten des Babys kann also von Zahn zu Zahn anders sein. Das können wir uns leider nicht aussuchen. Es kann auch sein, dass das Baby unruhig ist, weil es gerade einen Entwicklungsschub durchmacht und die hervorkommenden Zähne gar nicht der wahre Grund für das Unwohlsein sind oder es deshalb so schwierig ist, weil der nächste Zahn mit einer neuen Entwicklung zusammenfällt. Dazu ein kleiner Buchtipp von mir: Das Buch „Oje ich wachse“ von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij ist dein beständiger Begleiter für schwere Zeiten. Hier erfährst du alles über die acht Entwicklungsschübe deines Babys in den ersten 14 Monaten, was dein Kind gerade durchmacht, wieso es gerade jetzt weinerlicher oder anhänglicher ist als sonst und wie du es in der schwierigen Phase bestmöglich unterstützen kannst. Mir hat es sehr geholfen, mit meiner Tochter mitzufühlen und uns die vielen schlaflosen Nächte erträglicher zu machen.

Von meiner Warte aus, kann ich nur sagen, dass ich schon das Gefühl hatte, dass meiner Tochter ihre Zähne übel mitgespielt haben. Allerdings habe ich rückblickend ihre Zähne auch für einiges an Schreierei verantwortlich gemacht, wofür sie wohl gar nichts konnten. Man fühlt sich als Mutter oft dazu gezwungen sich für das Schreien seines Babys rechtzufertigen und da kommen einem die „bösen“ Zähne gerade recht. Zumindest ging es mir am Anfang so und allen Müttern denen es ähnlich geht, kann ich nur sagen: Babys schreien nun mal. Manchmal mehr, manchmal weniger, aber man kann es nicht immer verhindern. Manchmal ist es sogar gut, weil sie womöglich so etwas verarbeiten und es ihnen danach besser geht. Man muss sich keinesfalls rechtfertigen, wenn sein Baby einmal schreit. Meine Große hat am Anfang viel geschrien, mit und ohne Zahn im Mund, das machte keinen Unterschied. Irgendetwas passte ihr nicht und sie ist scheinbar jemand, der sich lautstark zu wehren weiß. Ist doch auch nicht schlecht? Von wem sie das wohl hat… 

 

Im nächsten Artikel findet ihr hilfreiche Tipps fürs Zahnen, die richtige Zahnpflege und welche Rolle das Essen dabei spielt.

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