Das große Zahnen Spezial (Teil 2) – Tipps fürs Zahnen und Pflegen

Wie kann ich meinem Baby beim Zahnen helfen?

Bevor man zu den allzu verlockend wirkenden medizinischen Hilfsmitteln gegen die Schmerzen beim Zahnen greift, sollte man es vorher mit anderen Mitteln versuchen, um Druck und Schmerz auf den betroffenen Stellen zu lindern.

Hier ein paar Tipps:

Beißring: Gebt eurem Baby einen Beißring. Mein Tipp ist ein Produkt aus Voll-Silikon, das lässt sich gut sterilisieren. Ihr könnte es in den Kühlschrank legen und eurem Baby dann zum Kauen geben. Es gibt auch Beißringe, die mit Wasser gefüllt sind, die man in den Kühlschrank legen kann. Allerdings kann es sein, dass diese irgendwann undicht werden.

Schnuller: Gebt eurem Baby einen Schnuller auf dem es herumkauen kann. Auch wenn euer Baby gar keinen Schnuller mag, kann dies helfen und beruhigt gleichzeitig. Auch diesen kann man zuvor gut in den Kühlschrank legen. Die Kälte nimmt zumindest vorübergehen den Schmerz.

Gekühlte Karotte: Eine gekühlte Karotte aus dem Kühlschrank (bitte vorher schälen) erfreut sich auch großer Beliebtheit. Bitte beachten, ob euer Kleines dafür alt genug ist und passt auf, dass es sich nicht daran verschluckt! Wenn ihr in puncto Verschluckungsgefahr lieber auf Nummer sicher gehen wollt, dann benutzt doch einfach den praktischen Fruchtsauger. Dann passiert garantiert nichts.

Kaltes Wasser: Gebt eurem Baby eine Flasche mit kühlem Wasser. Das stillt den Schmerz und euer Baby nimmt zudem Flüssigkeit auf.

Sollten alle diese Mittel nichts helfen, dann gibt es auch Globuli, Zahngel oder Zäpfchen. Ich habe hier immer pflanzliche Produkte verwendet (z.B. Mama Aua Zahngel oder Osanit Zahnungskügelchen), die man mehrmals am Tag verwenden kann. Hier gibt es natürlich auch welche mit leichtem Anästhetikum, das den Schmerz für einige Zeit betäubt. In ganz schlimmen Fällen kann man dem Baby auch ein Zäpfchen verabreichen. Auch hier gibt es sowohl homöopathische oder auch schmerzstillende Produkte. Bitte sprecht das mit eurem Kinderarzt/ eurer Kinderärztin ab und handelt nicht auf eigene Faust. Er oder sie kennt euer Kleines und kann euch sicher gut beraten.

Zahnpflege

Am besten man beginnt so früh wie möglich mit der Zahnpflege, damit sich euer Baby von Anfang an daran gewöhnt und es zu seinem Tagesablauf dazugehört. Von Geburt an macht es Sinn auf eine gewisse Mundhygiene zu achten. Nehmt nicht den Schnuller in den Mund bevor ihr ihn eurem Baby gebt und versucht beim Essen anderes Besteck zu verwenden, da frühkindlicher Karies am häufigsten von uns Eltern übertragen wird.

Mit dem tatsächlichen Zähneputzen genügt es zu beginnen sobald sich der erste Zahn bemerkbar macht. Aber dann ist es dafür umso wichtiger, dass man es gewissenhaft und kontinuierlich betreibt. Obwohl die Milchzähne irgendwann einmal wieder ausfallen und durch die bleibenden Zähne ersetzt werden, ist es wichtig, diese gründlich zu putzen. Häufig kann Karies nämlich auf die folgenden Zähne übertragen werden und einen dauerhaften Schaden anrichten. Daher sollte die Mundhygiene in jedem Fall groß geschrieben werden.

Je nach Geschmack kann man dafür unterschiedliche Hilfsmittel verwenden. Entweder beginnt man ganz einfach mit einem feuchten Waschlappen die Kieferleiste abzuwischen oder man verwendet gleich einen dafür gemachten Fingerling. Zum Reinigen kann er einfach ausgekocht werden. Man muss ihn jedoch nach mehrmaligem Verwenden austauschen. Wenn die Zähnchen schon gänzlich draußen sind, gibt es auch Kinderzahnbürsten, die so aussehen wie die für Erwachsene. Diese kann euer Baby auch selbst in der Hand halten und übungshalber darauf herumkauen. Meiner Tochter hat das immer großen Spaß gemacht. Die meisten dieser Bürsten haben dafür eine Schutzvorrichtung, dass sich die Kleinen die Bürsten nicht zu weit in den Mund stecken können. Außerdem gibt es Zahnbürsten mit kleinen Noppen an der Spitze, die das Zahnfleisch massieren. Die meisten Babys haben das (zumindest anfangs) sehr gerne. Nach Absprache mit eurem/r Zahn- und/oder Kinderarzt /-ärztin könnt ihr auch Fluoridtabletten oder einmal täglich fluoridhaltige Kinderzahnpasta verwenden.

Da die Babies die Zahnpasta am Anfang noch nicht ausspucken können, sollte die verwendete Menge nur erbsengroß sein. Aber was bewirkt Fluorid eigentlich? Durch die Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta werden im Zahnschmelz schneller wieder Mineralien angesetzt,  was potentieller oder bereits aufgetretener Karies entgegenwirkt und das erneute Herauslösen dieser Mineralien verhindert. Trotz der erwiesenen Wirkung des Inhaltsstoffes Fluorid, stehen viele diesem kritisch gegenüber. In hoher Dosis kann dieser für den Körper giftig sein. Obwohl sich in Zahnpasten nur Spurenelemente des Stoffes befinden, müssen Eltern selbst entscheiden wie sie mit diesem Wissen umgehen möchten. Sprecht am besten mit eurem Arzt/ eurer Ärztin des Vertrauens, er oder sie wird euch bestimmt gut beraten können, damit ihr dann die richtige Entscheidung für euch und euer Kind treffen könnt.

Richtig Zähneputzen ist wichtig. Zahnärzte empfehlen dabei die „KAI“-Technik: Erst die Kauflächen, dann die Außen- und am Ende die Innenflächen putzen.

Meistens steht der erste Zahnarztbesuch im zweiten Lebensjahr an, je nachdem wie viele Zähne das Kind schon vorzuweisen hat, später sollten diese dann halbjährlich erfolgen. Aber keine Angst, der erste Besuch ist meistens nur ein Kennenlernen und Vortasten. Die Kleinen haben hier noch nicht wirklich etwas zu befürchten. Nach einem Lob auf die beachtliche Anzahl an Zähnen in Babys Mund und ein paar Zahnputztipps dürfen sie ihren Mund in den meisten Fällen auch wieder schließen und mit Mama oder Papa nach Hause gehen. Von diesen folgt dann meistens der Satz „Siehst du, so schlimm war es doch gar nicht“ in der Hoffnung, dass diese Erinnerung bis zum nächsten Besuch vorhält und dieser wiederum mit dem selben Satz und einer Zustimmung des Kindes endet. Es gibt leider auch Kinder, die sich mit Händen und Füßen gegen das Zähneputzen wehren. Meine Große macht mittlerweile schon ganz gut mit. Zusammen jagen wir unermüdlich in allen Ecken nach Karius und Baktus, bis wir sie gefangen und jede Spur von ihnen verwischt haben. Leider tauchen sie in der Früh jedes Mal wieder aufs Neue auf. Hartnäckig die Zwei!

Die Kleine hingegen sträubt sich immer noch vehement dagegen, dass ich mal „Hand anlege“. Sie stellt sich stur. Ich hoffe einfach, dass sich das noch verwächst. Immerhin hat sie große Freude am selber Putzen. Wodurch aber Karius und Baktus wahrscheinlich meistens mit einem blauen Auge davonkommen.  Für größere Kinder gibt es sogar schon Apps, die ihnen spielerisch beibringen, wie sie richtig Zähne putzen. Aber hier muss jeder für sich selbst entscheiden, zu welchen Hilfsmitteln er greift. Tipp: Sei selbst eine Vorbildfunktion für dein Kleines! Zeig ihm, dass auch du zweimal am Tag deine Zähne putzt und wie es geht. Oder lass es bei dir einmal Hand anlegen und die Zahnbürste in deinen Mund führen. Das macht ihm sicher besonders Spaß und vielleicht darfst du ja währenddessen die Zahnbürste vorsichtig in seinen Mund schieben.

Zähne und das Essen

Zahnhygiene ist wichtig, aber reicht allein nicht aus um Babys Zähnchen gesund zu halten. Auch die richtige Ernährung spielt eine große Rolle. Daher Finger weg von gesüßten Getränken und Vorsicht vor „Dauernuckeln“ am Fläschchen. Auch Fruchtsäfte sollten nur in Maßen genossen oder stark verdünnt werden. Diese sind nicht nur reich an Fruchtzucker, sondern enthalten auch Säuren, die Zähne und Zahnschmelz angreifen können. Am besten eignen sich Leitungswasser und ungesüßte Kräutertees als Durstlöscher.  

Je mehr Zähne das Baby im Mund hat, desto besser kann es kauen… obwohl meine Tochter schon zahnlos eine beachtliche Kauleistung zustande brachte. Konnte sie anfangs nur fein pürierten Brei essen, kann sie jetzt langsam schon festere Nahrung zu sich nehmen. Dies ist erstens wichtig um die altersgemäße Entwicklung des Kauapparats zu gewährleisten und zweitens macht es den Babys meistens den größten Spaß ihr Essen selbst in den Mund zu schieben, was sich bei feinem Brei anfangs noch als recht schwierig darstellt und meistens mit einer großen Sauerei einhergeht. Sobald es Interesse am Essen zeigt (frühestens aber mit dem 4. Lebensmonat), könnt ihr eurem Baby Beikost anbieten. Ich habe meiner Tochter (damals noch zahnlos) von Anfang an auch Fingerfood dazu gegeben. Die meisten Babys müssen irgendetwas mit ihren Händen anstellen während des Essens und da bietet sich Fingerfood bestens an. Waren es am Anfang noch weich gedünstete Karotten oder Kartoffeln, kann man mit zunehmendem Gebiss auch festere Nahrung wie Brot, Obst (Bananen, Erdbeeren, Kiwi oder Ähnliches) und andere Gemüsesorten (Zucchini, Brokkoli, Kürbis oder ähnliches) anbieten. Weiches Obst und Gemüse eignen sich wunderbar als Fingerfood. Es erlaubt eurem Baby selbstständig zu essen und liefert ihm gleichzeitig wichtige Vitamine. Das Gemüse könnt ihr je nach Entwicklungsstand eures Kindes dämpfen oder roh anbieten. Gut als Fingerfood eignen sich geschält und in Stücke geschnitten: Kürbis oder Süßkartoffel, als Stäbchen Zucchini, Karotten, Pastinaken oder fadenfreie grüne Bohnen. Brokkoli oder Blumenkohl können nach dem Dämpfen als ganzes angeboten werden. Paprika kann entweder im Ofen vorgegart werden oder je nach Entwicklungsstand roh gegessen werden.

Achtet aber immer darauf, ob sich euer Baby damit wohlfühlt und dass es zum Essen genug trinkt. Seid auch beim Essen vorsichtig mit zuckerhaltigen Speisen und versucht diese am Anfang so gut es geht zu vermeiden. Euer Kind wird es euch später danken. Wenn es aber einmal von Mamas Kuchen probieren möchte, ist das auch kein Drama. Ich wäre auch nicht allzu erfreut darüber, wenn ich mit einem Stück Brokkoli in der Hand jemandem zusehen müsste, der genüßlich ein leckeres Stück Kuchen vertilgt.

Vielleicht habt ihr Glück und euer Kind reagiert gar nicht auf das Hervorpreschen der Zähnchen in seinem Mund, aber wenn doch dann lasst euch nicht verrückt machen, die meisten Kinder leiden am Zahnen, aber es geht auch wieder vorbei. Und danach sind sie ausgestattet mit ganz neuen Fähigkeiten und können endlich auch das essen, was Mama und Papa auf dem Teller haben. Wichtig ist, dass ihr auf die Bedürfnisse eures Kindes eingeht und ihm helft die schwere Zeit zu überbrücken. Es wird immer gute und schlechte Zeiten geben, ob das nun mit dem Zahnen zu tun hat oder mit etwas anderem. Für euer Kleines ist es dabei essentiell, dass es auf euch zählen kann, wenn es ihm einmal nicht so rosig geht, trotz oder gerade wegen des Unwohlseins. Harten Phasen folgen dann aber wieder  einfachere Zeiten. Ein ständiges Auf und Ab! Wenn Baby und Eltern den neuen Begleiter im Mund stolz der ganzen Welt präsentieren, sind die Strapazen zumindest vorübergehend wieder vergessen!

 

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